Witz und Widerstand: Drag Queen Bauhinia Black aka Miko Badiola Borje

📸 conflicthongkong

Der interdisziplinäre Künstler Miko Badiola Borje versteht sich weder als männlich noch weiblich. Statt dem männlichen Pronomen bevorzugt er das genderneutrale “they/them”. Da es im deutschen Sprachraum kein geschlechterneutrales Pronomen gibt, beziehen sich die Formulierungen in diesem Text auf seine weibliche Rolle als Drag Queen Bauhinia Black.

Das Repertoire der Multimedia Entertainerin besteht unter anderem aus live music, drag art und stand-up comedy. Ihre Kunst ist sowohl politisch aufrüttelnd als auch naiv und witzig: „I love exploring Judith Butler’s theory on performativity and find art sitting best in a post-identitarian space.“ Judith Butler ist eine US-amerikanische Philosophin und Philologin. Sie ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der Geschlechterstudie. 

„1990 erschien ihr Werk Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. [deutsch 1991: Das Unbehagen der Geschlechter], welches als ihr bekanntestes und auch einflussreichstes Buch gilt und zum Aushängeschild der Geschlechterforschung wurde. Darin tritt sie für einen „postmodernen, poststrukturalistischen Anti-Essentialismus“ ein, welcher jegliches Denken, das Identitäten als grundlegend und natürlich existent begreift, ablehnt. Nach Butler beruht nicht nur die Geschlechtsidentität auf einem sozialen Konstrukt, vielmehr zweifelt sie auch die Natürlichkeit und die Unvermeidlichkeit des biologischen Geschlechts an.“

https://www.grin.com/document/207830

Bauhinia Black ist außerdem Gründerin von Bitter Melanin Productions, einem multidisziplinären Kreativstudio. Vor 2 Jahren entstand so der Kunstfilm “Make Up Your Mind”, der den Philippinern in Hong Kong gewidmet ist. Der Kurzfilm thematisiert die Währung der Liebe, nämlich Respekt und Liebe für alle. Aber wer darf über ihren Wert entscheiden? 

Der Short Film gehörte zur offiziellen Auswahl für das Lift-Off New Yor 2019 Online Festival, Supershorts Film Festival London (Screening im British Film Institute), ‘Queer’ Asia Film Festival 2019 (Screening im British Museum of London), Hong Kong Arthouse Film Festival 2019 und CinemQ Shanghai.

Die Künstlerin ist als Einwanderin in mehreren asiatischen Ländern aufgewachsen: „Naturally, my experience is marked by post-colonial consciousness; I was a 7-time academic scholarship recipient to a school that taught an international curricula, and have travelled the world as a student.” Daher ist sie stets wachsam gegenüber ihren Grenzen und den damit verbundenen Auswirkungen auf ihre Psyche. 

Bei ihrer Kunst lässt sie sich vor allem von der Populärkultur und dem Zeitgeschehen inspirieren. Sie selbst beschreibt ihre Kunstform als „[…] a sudoku— a type of Japanese number puzzle with seemingly endless permutations.“ 

Ihr aktuellstes Werk ist ein Drag-Comedy-Lipsync, das Carrie Lam persifliert. Sie ist chinesische Politikerin und Regierungschefin (Chief Executive) von Hong Kong: „In Hong Kong, especially in recent years, our democratic institutions are waning in significance, as a new regional metropole emerges: China.“ Die Arbeit wurde beim ersten globalen LGBTQIA+ digital drag show veröffentlicht. Die Premiere der virtuelle Show mit 47 Drag-Künstlern aus aller Welt, die jeweils ein Land repräsentieren, fand per Livestream am 5. Dezember 2020 auf YouTube statt. 

Über ihre Arbeit sagt die Künstlerin selbst: „Feel free to laugh; to me, it’s the purest form of resistance.” 

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