Transdisziplinäre Ansätze und intersektionale Perspektiven: Lena Seefried über ihre Arbeit als Freie Kuratorin in der Corona-Krise

📸 Nathalie Smrkovsky

Diese Woche habe ich die Freie Kuratorin Lena Seefried im virtuellen Raum getroffen. Im Video Call sprach sie mit mir über die Kraft der Clubkultur, ihre eigene künstlerische Praxis und die Position der Sozialen Medien in der Kulturvermittlung. 

Lena absolvierte ihren Bachelor of Arts in Kunstpädagogik an der Universität Leipzig. Später zog sie nach Zürich, um an der Zürcher Hochschule der Künste ihren Master of Arts in Art Education Curatorial Studies anzuschließen. Heute arbeitet sie als interdisziplinäre Kuratorin, Autorin, Kulturvermittlerin und Performancekünstlerin in Berlin und Zürich.

Ihre bisherige Arbeit als Freie Kuratorin gestaltet sich bei Lena aus freien Projekten, die in Zusammenarbeit mit Kollektiven, Galerien oder Off-Spaces entstehen. In Zeiten von Corona liegt ihr Schwerpunkt jedoch nicht im Ausstellungsraum, sondern verlagert sich in ihre eigene künstlerische Praxis im digitalen Raum oder in schriftlichen Arbeiten. 

Generell arbeitet Lena als Freie Kuratorin transdisziplinär. Sie positioniert sich selbst zwischen Kuration und Vermittlung, stets im Hinblick auf partizipatorische sowie interdisziplinäre Ansätze ihrer Praxis. „Meine Arbeit ist geprägt von intersektionalen Sichtweisen. Ich frage mich direkt zu Beginn des künstlerischen Prozesses, wen ich befrage: Sind es zum Beispiel People of Color oder Cis-Personen? Wer hat die Macht? Wer hat das Sagen?“ Lena bezeichnet diese Vorgehensweise als „Grundgerüst“ ihrer Ausstellungen und Texte und versucht ihre eigene Stellung als weiße Frau und die damit verbundene Sichtweise immer miteinzubeziehen.  

„Zur Zeit kann man aber eigentlich nur digitale Projekte machen. Ausstellungen digital zu kuratieren finde ich aber leider nicht so zugänglich, weil die Interaktionen und die sozialen Räume fehlen.“ 

LENA SEEFRIED

Die Interaktion zwischen Menschen, Publikum, Besucher*innen und Ausstellungsinhalten findet laut Lena bei einer digitalen Kuration nur hintergründig statt, wobei viele Einflüsse verloren gehen würden. Demgegenüber schaffen Soziale Medien eine attraktive Möglichkeit sich global miteinander zu vernetzen: „Man kann viel schneller Menschen kennenlernen, die man sonst nie kennen gelernt hätte. So eröffnen sich ganz neue Chancen miteinander zu arbeiten, wie etwa während des Lockdown.“ 

TikTok versteht sie als eine sehr zugängliche Plattform der Kulturvermittlung, die vor allem interessant ist, um jüngere Generationen anzusprechen. Außerdem schätzt sie digitale Medien als „unumgänglich“ ein, wenn es beispielsweise um ihre Netzwerkarbeit als Freie Kuratorin geht. Sie sagt aber auch: 

„Digitalität hat seine Grenzen.“

Das Nachtleben ist ein Teil von Lena, privat und beruflich. Aber durch Corona leidet die Clubkultur. „Die Safe Spaces brechen weg, die für bestimmte Communities sehr wichtig sind. Clubkultur beinhaltet nämlich für mich nicht nur Party, Exzess und Hedonismus, sondern vor allem auch Musik, Kultur und Kunst.“ Das soziale Miteinander macht dabei die Kraft aus, die von der Clubkultur ausgeht. 

Ihre eigene künstlerische Praxis lässt sich als performative Kunst einordnen, die Lena zurzeit verstärkt in den digitalen Raum trägt. Dazu zählt unter anderem ihre Kollaboration mit Milos Stolic. 2020 erforschen die beiden Kulturschaffenden die Wechselwirkungen von Elektronischer Musik und Queer Spoken Words und veröffentlichten diese im digitalen Raum statt als Live-Performance. 

„Ich gehe bei meiner Arbeit nicht vom Medium aus. Thematiken wie Sprache und Körper, das Gefühl von Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Identität sind oft Teil meiner künstlerischen Praxis. Erst danach versuche ich die passende Ausdrucksform zu finden. Mein Highlight ist dabei mit verschiedenen Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenzuarbeiten und zu versuchen auf einen Nenner zu kommen.“ 

LENA SEEFRIED

Momentan ist Lena auf der Suche nach einer passenden Anstellung im musealen Bereich. Sie spricht von ihrer Arbeit als „Berufung“ und kann sich ein Schaffen ohne Kultur nicht mehr vorstellen. Kulturarbeit bewegt sie privat und beruflich, um an ihr und den Menschen, denen sie bei ihrer Arbeit begegnet, zu wachsen.

Ihr Motto: Nicht aufgeben und das System von innen heraus verändern. 

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