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Virtuelle Avatare: Digitale Verlinkung und echte Gefühle

Nein, es sind nicht die humanoiden Bewohner*innen des Mondes Pandora mit der blauen Hautfarbe und den gelben Augen gemeint. Bis heute assoziieren viele Filmbegeisterte diese Wesen mit dem Begriff des Avatars. Der Regisseur James Cameron brachte das Thema von künstlich genetisch manipulierte Hybriden bereits 2009 auf die Kinoleinwand.

Hier steuerten Operatoren ihre Avatare mittels einer Verlinkung der Nervensysteme von Mensch und Na’vi-Körper.[1] Doch diese preisgekrönte Science-Fiction-Verfilmung sollte erst der Anfang sein. Knapp 10 Jahre später haben sich Avatare in unseren Alltag geschlichen und unsere Herzen erobert: Als virtuelle Stellvertreter[2]im Gaming, Modeikonen auf Instagram und Digitale Sprecher für Business und Marketing. Doch wie verlinken wir uns mit ihnen? 

Avatare repräsentieren uns und das, was wir sind oder sein wollen. Sie sind „kommunikative Agenten“[3], die mit und für uns kommunizieren. Sie handeln in unserem Sinne und erweitern ihre Fähigkeiten. Im virtuellen Raum verschwimmen die Grenzen von Realität, Wirklichkeit und Fantasie. Manchmal sogar ohne, dass wir es als Nutzer*in bemerken. 

Lil Miquela hat nicht nur einen Wikipedia-Eintrag in dem sie als „digital erzeugte Persönlichkeit“[4] bezeichnete wird, sondern auch über 2,7 Millionen Follower auf Instagram. Lange Zeit wurde diskutiert, ob sie „echt“ sei. Und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, hat sie sich zu einer weltweit bekannten und erfolgreichen Influencerin entwickelt. Sie nimmt ihre Follower mit auf eine Reise, die aus virtuellem Raum und realer Wirklichkeit besteht. Als Markenbotschafterin beeinflusst sie ihre reichweitenstarke Community und steht für eine Bewegung, mit dem Wunsch sich täglich neu zu erfinden, sich zu verwandeln und für die ganze Welt sichtbar zu sein. 

Der Vorteil liegt bei Avataren jedoch vor allem bei den Unternehmen. Zum einen bei denen, die diese Avatare implementieren und zum anderen bei denen, die sie nutzen. Produktidentifikation wird geschaffen, Kosten gesenkt.[5] Den Nutzenden bleibt die Reise in fremde, erstrebenswerte Welten und Gutscheincodes. Und trotzdem verlinken wir uns gerne. Der Kölner verschenkt bekanntlich gerne sein ganzes Herz an seine Liebste. Nutzer*innen auch an ihre Avatare. Sie verschmelzen miteinander, wie die Na’vi mit dem Baum der Seelen. Benjamin Jörissen fasst diese Beziehung von Mensch und Avatar wie folgt zusammen: 

“[Die] ‘Bildung der Gefühle’ zielt, […] nicht ausschließlich auf “Bildung” im Sinne eines ganzheitlich reflexiven Selbstverständnisses, sondern sie ist vielmehr im Sinne komplexer Intuitionen überhaupt eine Angelegenheit kreativen Denkens[…].”[6]

Heute spielt es daher keine Rolle mehr, ob man im klassischen Sinne als real gilt. Was zählt, ist die Authentizität. Und wer hat gesagt, dass Avatare nicht authentisch sein können? Oder, dass Jake Sully in seinem menschlichen Körper und nicht als Avatar weiterleben darf? 


[1] Vgl. Banholzer, Bernd: Willkommen auf Pandora!, in: Laszig, Parfen (Hrsg.): Blade Runner, Matrix und Avatare. Psychoanalytische Betrachtungen virtueller Wesen und Welten im Film, Berlin (u.a.) 2013, S.408-424. 

[2] Jörissen, Benjamin: The Expression of the Emotions in Man and Avatars: Zur „Bildung der Gefühle“ in virtuellen Umgebungen, 2012, S.164. 

[3] Ebd., S.167. 

[4]https://de.wikipedia.org/wiki/Lil_Miquela

[5] Vgl. Lindner, Christian: Wer braucht wofür Avatare? Konzeption und Implementierung natürlichsprachlicher Systeme, in: Lindner, Christian (Hrsg.) Avatare.Digitale Sprecher für Business und Marketing, Berlin (u.a.) 2003, S.9. 

[6] Jörissen, Benjamin: The Expression of the Emotions in Man and Avatars: Zur „Bildung der Gefühle“ in virtuellen Umgebungen, 2012, S.171. 

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