ART&AR X MICHAEL NEUGEBAUER

Künstler mit Studium der Malerei an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel, bei Jürgen Partenheimer und Toon Verhoef (AdbK Karlsruhe) sowie Diplom in Freier Kunst und Meisterschüler bei Kalin Lindena,*1987, Germany. 

 

Stipendien, Preise und Aktivitäten:
2017 Stipendium des Landes Baden-Württemberg für die „Cité International des Arts“, / Paris (FR)
2014 Preisträger der Akademie Karlsruhe
2010 August-Westphalen-Reisestipendium

ON THE MARKET – ALLE WERKE SIND AUF ANFRAGE ZU ERWERBEN

  1. Ohne Titel (Projections), 2019
    145×120 cm
    Mischtechnik auf Leinwand: Pigment, Acryl & Öl
    Keine Rahmung
  2. Ohne Titel (Projections), 2021
    160×120 cm
    Mischtechnik auf Leinwand: Pigment, Acryl & Öl
    Keine Rahmung
  3. Ohne Titel (Projections), 2021
    50×40 cm
    Mischtechnik auf Leinwand: Pigment, Acryl & Öl
    Keine Rahmung
  4. Ohne Titel (Projections), 2018
    150×100 cm
    Mischtechnik auf Leinwand: Pigment, Acryl & Öl
    Keine Rahmung

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Kategorie:

In der Malerei-Serie Projections untersuche ich die zeitliche Dimension von auf Video festgehaltenen Handlungen und lasse diese zum Ausgangspunkt für ein Kräftespiel von Perzeption und Deutung werden.

In den Malereien verflechten sich einzelne Momente eines Bewegungsablaufes zu einer einzigen Form. Sie sind Montagen der Zeit, die erst digital erstellt, anschließend in Grautönen ausgedruckt und zuletzt mittels eines Transferverfahrens auf Leinwand übertragen werden. In Schwarz-weiß und auf der Leinwand werden sie zum Gegenüber für eine sie überlagernde Ebene aus Ölfarbe. Eine Koloration, nicht deckend, mit transparenten Farben.

 

Das erste Kapitel der Serie trägt den Namen Serpentine Dance.

 

Zu Beginn des 20. Jhrds entstanden einige Filmaufnahmen von einem Tanz unter eben jener Bezeichnung, ein Tanz mit meterlangen Schleiern, die auf Stäben gespannt hin- und hergeschwungen wurden. Ein abstraktes Formenspiel, welches automatisch Bilder evozierte, sie aber nicht konkret benannte.

Mit den Jahren wurden die nur Sekunden andauernden Aufnahmen kopiert, koloriert, geschnitten, verändert und zusammengelegt. Jeder Schritt der Vervielfältigung ließ Facetten des Originals verloren gehen und schuf Raum für Elemente, die in der entstandene Leere ihren Platz finden konnten. Bis zu meinem Eingreifen war der letzte Schritt die Übertragung ins Digitale. Sie führte zu erheblichen Verlusten in der Auflösung, brachte aber Fragmente der digitalen Komprimierung mit sich. Andere Übertragungen von analogen Aufnahmen zu analogen Kopien verschlangen die Schärfe, änderten den Zuschnitt oder tauchten das Bild in dunklere oder hellere Töne zugunsten neuerer Materialeffekte.

 

Mit der Zeit mystifizierte sich der Tanz unter dem Raunen unzähliger Kopien und entfernte sich weiter von seinem Kern, der, wenn man man ihn öffnet, auch nur ein Verweis auf eine Assoziation ist, inhaltslos, aber nicht richtungslos.

 

Wiederum mein Anteil daran ist, die Bewegung in einzelne Momente zu zerhacken, aus der Linearität Synchronizität werden zu lassen und anschließend den gleichzeitigen Lauf in ewig routierenden und vibrierenden Stillstand zu verwandeln. Um das zu erreichen zerlege ich die mir zu Grunde liegenden Video-Aufnahmen aus dem Internet in Einzelbilder. In dieser Form lassen sich zeitliche Abstände bestimmen, die zu einem maßgeblichen Kriterium für die Frage werden, welche Einzelbilder miteinander verflochten werden sollen. Ich lege sie in einem digitalen Bild übereinander und bestimme Bereiche der Sichtbarkeit für jede Ebene.

Zur visuellen Gegenüberstellung von verschiedenen Zuständen nutze ich neben dem direkten Bild auch das Hilfsmittel der Zeichnung. Dafür breche ich die Außenform der Stoffmassen in einem gewählten Frame auf eine meist weiße, minimalistische Linie herunter. Sie verbindet die Zeitebenen miteinander und lässt, wenn eine direkte zeitliche Nähe zwischen Bildteil und Zeichnung besteht, die konkrete Bewegung eines Bildteils ablesbar werden.

Die anschließende Koloration auf der Leinwand geschieht als Nachempfinden einer Farbschicht, die auf dem ursprünglichen Filmmaterial aufgetragen wurde, was sich wiederum daran anlehnte, dass im originalen Tanz mit farbigen Scheinwerfern gearbeitet wurde, der auf die Stoffe zielte und sie somit zum Beispiel in ein Meer aus Rot- oder Gelbtönen eintauchte.

Eine Projektion der Farbe, im Original, im Film und zuletzt auch auf der Leinwand. Sie stellt etwas künstliches dar, eine überlagernde Ebene. Sie deutet die vorliegenden Formen, verbindet oder trennt Zeitebenen und legt sich als schützender und bestimmender Mantel darüber. Letzten Endes behauptet sie sich in der Frage nach der Hegemonie über die Deutung der Formen.

Im Ganzen führt es dazu, dass jener Tanz Projektionsfläche für eine Vielzahl von Variationen seiner selbst wird. Er schweigt sich selbst aus und verbirgt sich unter einer Decke aus flimmernden Bildern.