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MUSEUM IM WORLD WIDE WEB: VIRTUELL, AKTUELL UND KULTURELL

Die Kultur der Neuen Medien hat die alten Mauern der Museen ganz schön ins Wanken gebracht. Viele Institutionen sind bereits in digitale Welten aufgebrochen. Einige warten, bis der Sturm vorbei ist. Man fragt sich, ob es sich zum Guten verändern wird. Aber da scheiden sich bekanntlich die Geister. 

Deutschland liegt im internationalen Vergleich zurück, wenn es um digitale Zukunft geht. Auf Platz 14, um genau zu sein.[1] Wie kann daher ein Museum im digitalen Zeitalter aussehen und welche Inhalte sollte es vermitteln?

Virtuelle Museen sind ein solches Produkt dieser stürmischen Digitalisierung. Das kulturelle Erbe ist dabei inhaltliche Quelle, Marktgrundlage für multimediale Bildung und Wissensvermittlung sowie die Basis von ‚Informellem Lernen‘ und der Entstehung ‚Fern-Lernumgebungen‘. Sie sammeln, speichern, bewahren und digitalisieren.[2] Laut den Ethischen Richtlinien für Museen von ICOM gilt ein Kulturbetrieb als ein Museum, wenn es unter anderem das Verständnis für das Natur- und Kulturerbe der Menschheit bewahrt, zeigt, vermittelt und fördert.[3]  Gibt es demnach einen Unterschied zu einem virtuellen Museum? 

Digitale Objekte als Teil eines virtuellen Museums zählen zu den immateriellen Kulturgütern. Dies verlangt nach neuen Anforderungen und Aufgabenbereiche für die Institution Museum: Die Auswahl, Organisation, Sichtbarkeit und Zugänglichkeit im Sinne einer digitalen Aufbereitung muss gewährleistet werden.[4] Dennis Niewerth charakterisiert virtuelle Museen in seiner Promotion zum Thema ‚Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen‘ im Vergleich, wie folgt: 

„Während im Museum Narrative über vergangene Wirklichkeiten aus Objekten aktualisiert werden, die materiellen Dinge also die Oberfläche eines kulturellen Diskurses bilden, ist die Virtualität digitaler Medien immer eine doppelte: Das Interface aktualisiert kulturell interpretierbare Zeichensysteme aus dem abstrakten Code, und der Rezipient aktualisiert aus diesen seinerseits Bedeutungen.“[5]

Für den Deutschen Museumsbund und den Bundesverband e.V. stehen die  Qualitätskriterien für Museen bei ihrer Bildungs- und Vermittlungsarbeit zu mindestens fest: Sie sollen nicht nur sammlungsspezifisch, objektangemessen und gegenwartsbezogen sein, sondern auch handlungsorientiert und fächerübergreifend.[6]

Und gerade in der Corona-Krise haben viele dieser virtuellen Museen großen Zulauf bekommen. Sie verfolgen dabei die unterschiedlichsten Vermittlungsstrategien: Ob als Kinder-Website des Museums Kunstpalast Düsseldorf, als virtuelle Tour durch das Senckenberg Museum Görlitz oder als digitaler Parcours “Nietzsche Superstar” der Klassik Stiftung Weimar.

Mehr zum Rhino Palast findest du unter: https://www.kunstpalast.de/kinder

Die Kultur scheint die Ortspezifität im Jahre 2020 endgültig überwunden zu haben. Vielleicht wird sich der Sturm wieder legen. Vielleicht war es auch erst der Anfang. Eines steht fest: Virtuelle Museen bereichern unsere digitale Welt; Inhaltlich, kulturell und politisch. 


[1]https://www.cloudmagazin.com/2020/04/30/cisco-studie-zur-digitalisierung-deutschland-im-internationalen-vergleich/

[2] Hünnekens, Annette: Expanded Museum. Kulturelle Erinnerung und virtuelle Realitäten, Bielefeld 2002, S.13-27.

[3]https://icom-deutschland.de/images/Publikationen_Buch/Publikation_5_Ethische_Richtlinien_dt_2010_komplett.pdf

[4] Hünnekens, Annette: Expanded Museum. Kulturelle Erinnerung und virtuelle Realitäten, Bielefeld 2002, S.75. 

[5] Niewerth, Dennis: Dinge – Nutzer – Netze. Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen, Bielefeld 2018, S.122. 

[6]https://www.museumsbund.de/wp-content/uploads/2017/03/qualitaetskriterien-museen-2008.pdf

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