Digitales Händel-Festival: Il Floridante oder die heimliche Heldin als interaktive Poketopera

©Film AB Köln

Verschoben, aber nicht aufgehoben: 2020 musste das Jubiläum der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen aufgrund der Corona-Krise auf den 9. bis 19. September 2021 verschoben werden. Umso erfreulicher war die Verkündung eines Digitalen Händel-Festivals vom 13. bis 24. Mai 2021. Es sollte Künstler*innen die Bühne zurückgeben und neue Wege in Form von digitalen Formaten ermöglichen. So auch Il Floridante oder die heimliche Heldin als interaktive Poketopera – konzipiert und umgesetzt mit dem Ensemble Cembaless und dem Poetry Slamer Florian Wintels. 

300 Jahre ist nun die Uraufführung von Georg Friedrich Händels Opera Seria Il Floridante her. Am 23. Mai 2021 um 18:00 Uhr hat es das junge Ensemble für Alte Musik, das Teil des EU-Förderprogrammes EEEMERGING+ ist, jedoch geschafft, die Festivalteilnehmer*innen in den heimischen Wohnzimmern durch einen Online-Stream in die Zeit des Persischen Reichs zu seinen Protagonisten zu versetzen. Nicht zuletzt mithilfe der humorvollen und feinsinnigen Ausführungen des Geschichtenerzählers Florian Wintels, der die Handlung als Poetry Slam widerspiegelte. 

In 3 Akten konnte das Publikum ein neues Aufführungskonzept erleben, dass durch facettenreiche Musik, lebendige Emotionen und direkte Interaktionen geprägt war. Mit passenden Umfragen über Mentimeter wurde das Publikum nicht nur zum Mitmachen animiert, sondern auch zum aktiven Reflektieren über die eigene Positionierung zu “Glaube, Courage und Gerechtigkeit”. Die Fragestellungen, ob Glaube bzw. Überzeugungen couragiertes Handeln fördern kann, ob Courage zu Gerechtigkeit führt und ob Gerechtigkeit den Glauben stärkt, begleiteten die Inszenierung ab dem ersten Akt.

©Film AB Köln

So kamen die Zuschauer*innen in einen 90 minütigen Operngenuss, der erfrischend modern, flexibel und wortgewandt war. Im Sinne der digitalen Kulturvermittlung wurde die virtuelle Bühne und die damit verbundene Möglichkeit der zeitgenössischen Auseinandersetzung genutzt, um die Handlung nachvollziehbar zu interpretieren. Alle Texte wurden außerdem auf deutsch statt auf italienisch vorgetragen und vom Poetry Slammer selbst und speziell für diese Inszenierung geschrieben. Eine äußerst gelungene Kombination aus mitreißender Musik und leidenschaftlicher Erzählung – und das alles ohne Cembalo. 


Florian Wintels, Poetry Slam
Ensemble Cembaless, Konzeption & Dramaturgie

Ensemble Cembaless
Elisabeth von Stritzky, Sopran
David Hanke, Blockflöte
Annabell Opelt, Blockflöte
Shen-ju Chang, Viola da Gamba
Stefan Koim, Barockgitarre, Erzlaute
Robbert Vermeulen, Theorbe
Syavash Rastani, Persische Trommeln

www.cembaless.com

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